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Türkei
Mittelmeerpflanzen
– Kult und Kunst in Kleinasien
Auszüge
aus dem Buch „Bäume und Sträucher im Mittelmeerraum“
Kosmos Verlag, 1978 Stuttgart,
Helge Wedel
Die
Pflanzenwelt des Mittelmeerraumes unterscheidet sich in ihrer
Art und Vielfalt sehr von den nördlichen Regionen Europas, da
das Mittelmeerklima mit seinen feuchten, milden Wintern und
trockenen, heißen Sommern einen unermesslichen Artenreichtum
begünstigt.
Besonders
in Kleinasien findet man deshalb auf den Reisen durch Land und
bei Besichtigungen der antiken Städte, sowie in Gärten und
Parks die verschiedensten Bäume, Sträucher und Blumen, die
durch ihre charakteristischen Formen und Farben unser Augenmerk
auf sich ziehen.
Die
Pflanzenwelt des Mittelmeergebietes ist eng verknüpft mit der
Kunst und Kultur der dort lebenden
Menschen. Die uralten
Kulturen haben die zahlreichen Pflanzen als Bilder in religiösen
Texten, Wandmalereien oder als Gestaltung bei Schmuckstücken
und Haushaltsgegenständen benutzt. Diese vor Jahrtausenden
entstandenen Kunstwerke dienen noch heute als Zeugnisse.
Bäume in Kult
und Kunst
Der
Wald und einzelne Bäume mit den merkwürdigen Formen sowie
unverständlichen Phänomenen wie Laubfall, Blüte und
Fruchtbildung wurde Gegenstand einer reichen Mystik. Allmählich
entwickelte sich in den verschiedenen Kulturkreisen eine
Baumreligion mit heiligen Bäumen. Wie zum Beispiel in
alten Begräbnisstätten sieht man nicht selten besonders
heilige Bäume, denen die Leute immer noch Lumpen und
Bekleidungsstücke opfern, um von Krankheiten geheilt oder um
ihre Wüsche verwirklicht zu werden. [S.114]
Bild:
Heiliger Baum, Kanlidivane (ehem. Kanytella) an der Mittelmeerküste Kleinasiens bei
Mersin.
www.treklens.com
Bild:
Aliza Rin
In
der griechischen Mythologie ist das Motiv Bäume und Götter
durchgängig. Beispielsweise war Zeus der Eiche verbunden,
Apollon dem Lorbeer, Athene dem Ölbaum und Aphrodite der Myrte.
Wohlbekannt
ist die Mythe von Apollon und Daphne. Apollon versucht gewaltsam
Daphne zu verführen, diese ruft dir Urgöttin Gaia um Hilfe an;
Gaia lässt Daphne in der Erde verschwinden und an ihrer Stelle
einen Lorbeerbaum wachsen. Apollon sah darauf hin den
Lorbeerbaum als heilig an. [S.118]
Bild:
Apollo mit Lorbeerkranz, Münze aus
Milet 3. Jh. V.Chr. www.wildwinds.com
#sg4508
Wenn
Mythen und Legenden sich ausbreiten und überliefert
werden sollen, werden sie abgebildet: teils als direkte
Illustration zu gesprochenem oder geschriebenem Text, teils als
Symbol von mehr oder weniger abstraktem Charakter, verwendet als
Dekoration und Schmuck. Als Text Illustration ist das Motiv
Adam und Eva wohl am bekanntesten. Nach dem Text über den Sündenfall
aus dem 1.Buch Mose wurde seit uralter Zeit bis in unsere Tage
eine große Menge von Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen
gestaltet, die alle das Feigenblatt enthalten. [S.123]
Adam
und Eva. -Granatapfel. Der Granatapfel besaß vom
klassischen Altertum bis weit in das romantische Mittelalter außerordentliche
Bedeutung als Ornament. Er wird teils naturalistisch, teils
derart stilisiert wiedergegeben, dass man ihn kaum
wiedererkennen kann. [S.123]
Bild: Textil-Design, Kaftan, Granatapfel und
Artischocken, Osmanisches Reich 15.Jh.
Zeder
(Cedrus)
Drei
Zedernarten werden als Zierbäume verwendet: Die Libanon-Zeder,
die Himalaja-Zeder und die Atlas-Zeder. Zedernholz hat einen
angenehmen würzigen Geruch und gilt als wertvollstes Bauholz.
Der Raubbau früherer Zeiten hat die Zedernwälder beträchtlich
reduziert. [S.18]
Besonders zu sehen in Marmara-Region, die gesamte Küstenregion Kleinasiens.
Aleppokiefer
(Pinus halepensis)
Sie
hat dünne, hellgrüne, bis zu 10 cm lange Nadeln und tief
rotbraune Zapfen. Die Zapfen bleiben noch mehrere Jahre, nachdem
sie sich geöffnet haben, am Baum. Das Holz wurde u.a. zum
Schiffbau in der Antike verwendet.
Pinie
(Pinus pinea)

Sie
ist leicht an ihrer schirmförmigen Krone und an den großen,
kugel- bis eiförmigen Zapfen zu erkennen. Die großen, essbaren
Samen, die fast ohne Flügel sind, stellen in den Mittelmeerländern
eine gängige Handelsware dar. [S.21]
Prinzen-Inseln in
Istanbul, Südliche Ägäische Küste.
Zypresse
(Cupressus sempervirens)
Nach
diesem uralten Kultbaum wurde die Insel Zypern benannt. Ihre
Form symbolisierte die heilige Opferflamme. [S.24]
Besonders zu sehen im gesamten Küstengebiet
Kleinasiens.
Besonders zu sehen in Marmara-Region,
Istanbul, Bursa.
Morgenländische
Platane (Platanus orientalis)
Sie
kommt im östlichen Mittelmeergebiet bis zum Himalaja vor. Die
Ursache ihrer Beliebtheit ist ihr schnelles Wachstum und die Fähigkeit,
viel Schatten zu spenden. [S.29] .
Ölbaum
(Olea europaea) 
Die
wichtigste Nutz- und Charakterpflanze im Mittelmeerraum. “Es
gibt zwei Säfte, die dem menschlichen Körper angenehm sind:
innerlich Wein und äußerlich das Öl, und beide erhält man
von Bäumen“ So schrieb Plinius d.Ä. vor etwa 2000 Jahren.
[S.92] Die großen Tongefäße in den antiken Stätten dienten
früher dazu Öl und Oliven aufzubewahren. Das Holz des Ölbaums
ist sehr hart, Herakles’
unfehlbare Keule war aus wildem
Olivenholz. Vor ihr wich selbst Hades zurück, als er Alkestis
holen wollte. Herakles soll es auch gewesen sein, der den Sieger
der Olympischen Spiele mit einem Kranz aus Olivenblättern
ehrte. Besonders
südlich von Troja,
Assos, Ayvalik, Pergamon, ägäische Küsten.
Echter
Feigenbaum (Ficus carica)
Er
gehört zusammen mit der Weinrebe und dem Ölbaum zu denjenigen
Obstbäumen, die seit uralter Zeit in den Mittelmeerländern
angepflanzt werden. Der Echte Feigenbaum ist im Gegensatz zu
anderen Feigenarten laubabwerfend. Seine Früchte stellen frisch
oder getrocknet ein wichtiges Nahrungsmittel dar. Feigensaft ist
ein altes, bewährtes Mittel gegen Verstopfung. [S.32]
Besonders zu sehen am Mäandertal,
Zwischen Izmir und Pamukkale.
Lorbeerbaum
(Laurus obilis)
Der
Lorbeer war dem Apollo geweiht, und seit dem Altertum ehrt man
den Sieger durch Überreichen des Lorbeerkranzes. [S.26]
Besonders
im ägäischen
Region, Westküste Kleinasiens, und Marmara-Gebiet. Iznik
(Nizea) Bursa
Weißer
Maulbeerbaum (Morus alba)
Stammt
aus China und wird vor allem als Futterpflanze für die
Seidenraupenzucht angepflanzt. [S.30]
Besonders zu sehen im ägäischen Region,
Westküste Kleinasiens, und Marmara gebiet. Iznik (Nizea) Bursa
Johannisbrotbaum
(Ceratonia siliqua)
Vielleicht
diente der Johannisbrotbaum Johannes dem Täufer, in der Wüste
als Nahrung. Die Samen werden auf arabisch „Karat“ genannt
und wurden in alter Zeit aufgrund ihres konstanten Gewichts als
Gewichtseinheit für Juwelen benutzt. Heute entspricht ein Karat
Diamant 0,205 Gramm. [S.61]
Besonders am
Bosporus, im Marmaragebiet
zwischen Istanbul und Bursa
.
Granatapfel
(Punica granatum)
Es
handelt sich um den Apfel, den der Hirte Paris auf Bitte des
Hermes der schönsten der Göttinnen schenken sollte. Er ist
eine uralte Nutzpflanze. Der ungegorene Saft, Grenadine genannt,
ist ein sehr erfrischendes Getränk. Der Granatapfel wird als
Motiv häufig in der orientalischen und nicht zuletzt
byzantinischen Kunst verwendet. [S.69] Am Mäandertal, zwischen
Izmir und Pamukkale.
Orangen
und Zitronen
Der
Anbau der Zitrusfrüchte erfolgt zumeist in flachen küstennahen
Bereichen. Allgemein verbreitete Zitrusfrüchte sind:
Apfelsine, Zitrone, Saure Limette (Limone), Grapefrucht,
Mandarine, Pomeranze (Bitterorange), die bitter ist und für
Marmelade und Liköre verwendet wird, Zedratzitrone, aus der das
Zitronat hergestellt wird, und schließlich die großfrüchtige
Pampelmuse. [S.82]
Besonders am Küstengebiet des Mittelmeeres. Antalya
(Myra)
Judasbaum
(Cercis siliquastrum)

Im
zeitigen Frühjahr blüht der Judasbaum mit einer großen Zahl
von hellroten Blüten, die auf den nackten Zweigen oder sogar
direkt am Stamm sitzen. Die Überlieferung berichtet, dass Judas
sich an diesem Baum ernährte, und die Blüten, die zuvor weiß
waren, vor Scham erröteten. [S.59]
Besonders
zu sehen im Bosporus, Istanbul. Bursa
Pistazie
(Pistacia lentiscus)
Ein
prächtiger Strauch, oder kleiner Baum der Macchie zum Baum
werden kann. Der Pflanze entströmt ein harziger Duft. Aus den
Pistazienbäumchen wird Mastix gewonnen, ein Harz, das auch die
Haremsdamen kauten, um ihren Atem wohlriechend zu machen
Zwergpalme
(Chamaerops humilis)
Die
Zwergpalme ist die einzige wildwachsende Palme im
Mittelmeergebiet. Sie hat normalerweise keinen Stamm, da junge
Pflanzen durch Verbiss von Schafen und Ziegen niedrig gehalten
werden. In Gärten und Parks angepflanzt, wird sie bis zu 4 m
hoch. [S.105]
Besonders am gesamten Ägäis und Mittelmeerküste, Izmir,
Kusadasi, Bodrum, Antalya.
Dattelpalme
(Phoenix dactylifera) 
Die
Dattelpalme gehört zu den uralten Nutz- und Kulturpflanzen. Ihr
eigentliches Anbaugebiet sind daher die Länder südlich und östlich
des Mittelmeeres. [S.106]
Eine
Legende der heiligen Bäumen ist von Christophorus.
Christophorus trug Reisende durch einen reißenden Fluss. Einmal
sollte er ein Kind über den Fluss bringen und dieses Kind war
so schwer, dass der Riese beinahe niederstürzte. Das Kind war
Christus, welcher die Welt der Sünde trug. Als Belohnung wurde
der unfruchtbare Wanderstab des Christophorus in eine fruchtbare
Dattelpalme verwandelt. Die Christophoruslegende ist ein
spätes Zeugnis des Baumkults. Schon Mohammed versuchte die
Bewohner von Mekka daran zu hindern, die Bäume als Gottheiten
zu sehen. [S.124] Bild: Christophorus, 19. Jh. Dattelpalmen
sind besonders am östlichen Mittelmeerküste Kleinasiens. Mersin,
Iskenderun, Antakya (Antiochien) zu sehen.
Macchia,
der Buschwald am Mittelmeer

An
Berghängen und Hügeln, wo die Bodenschicht für Waldwuchs und
Ackerbau zu geringmächtig ist, findet sich der oft schwer
durchdringliche Buschwald. Immergrüne, meist kleinblättrige
Sträucher herrschen vor. Viele
von ihnen duften stark. Von
April bis in den Juni hinein prangt die Macchie in allen Farben,
aber während der anderen Zeit des Jahres sieht sie graugrün
aus. Wenn der Boden trockener wird, und die Weidewirtschaft
zunimmt, geht die Macchie in eine lichte artenreiche
Gesellschaft von Kleinsträuchern mit Ginstern, Wolfmilchgewächsen,
Salbei, Lavendel, Rosmarin und Zwiebelgewächsen. Bild: Fayence
im Topkapi Serail, Istanbul
Zistrose
(Cistus spec.) 
Mehrere
Arten sondern große Mengen wohlriechenden Harzes ab, das man
seit uralter Zeit als Cistus- oder Labdanumharz für
medizinische und kosmetische
Zwecke gesammelt hat. [S.45] Besonders die gesamte Küstenregion
Kleinasiens, Izmir, Bodrum (Halikarnossos),
Myrte
(Myrtus communis)
Häufig
werden sie in Gärten
und Parks angebaut. Außerdem wächst sie auch in Uferwaldungen.
Ihre glänzenden Blätter lassen aus feinen Drüsen ein ätherisches
Öl ausströmen. Schon
im Altertum galt die Myrte als Symbol der über den Tod
hinausgehenden Liebe. Die Myrte wird in arabischen Legenden
erwähnt, die Griechen weihten sie der Aphrodite und
benutzten sie für
Siegerkränze. [S.68] Dieses Sinnbild wurde in Mitteleuropa seit
dem 17. Jahrhundert blühender Myrtenkranz als Brautschmuck
verwendet.
Rosmarin
(Rosmarinus officinalis)

Wildwachsend
in trockenen Gebieten an allen Küsten des Mittelmeeres. In
alter Zeit war Rosmarin das Symbol der Treue. [S.89] In der
Antike wurde sie anstelle von Weihrauch angesehen.
Verschiedene
Thymian- und Salbeiarten aus dem gleichen Geschlecht der
Lippenblütler fehlen in der Macchie selten.
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Oleander
(Nerium oleander)
Ein
schöner jedoch sehr giftiger, immergrüner Strauch. Wild wächst
er vornehmlich an feuchten Stellen in Flussbetten und an Wasserläufen.
[S.85] IBesonders
im gesamten ägäische Region, (Pergamon, Milet),
Kusadasi, (Ephesus)
Rutenkraut,
Wilde Fenchel (Ferula communis)
Er
lebt gesellig, meist in der Nähe des Meeres und entfaltet auf
meterhohem Stängel gelbe Dolden. Prometheus benutzte es, als
er, um den Menschen das Feuer zu bringen, einen Sonnenfunken
raubte. Die Pflanze
war dem Bachus geweiht; der Thyrsus war ein mit Weinlaub und
Efeu umwundener Ferulastab. Besonders
zu sehen im Ägäischen Küstengebiet
Kusadasi (Ephesus)
Spritzgurke
(Ecballium elaterium)

Berührt
man ihre gurkenähnliche Frucht, so löst sie sich von ihrem
Stiel los. Wie von einem Geschütz abgefeuert, fliegen die Samen
weit fort. Der Saft der Pflanze wirkt stark abführend, und
schon Hippokrates verordnete ihn in solcher Absicht. Besonders
zu sehen im Ägäischen
Küstengebiet (Ephesus, Milet)
Zwiebel- und
Knollenpflanzen
Hierzu
gehören viele Lilienblütigen (Narzissen, Traubenhyazinthe,
Tulpen) und alle Orchideen. Sie sind besonders gut an das
Mittelmeerklima mit Sommerdürre und Winterregen angepasst.
Bild: Textil-Design,
Bettbezug mit Tulpenmotive, Osmanisches Reich 16.Jh.
Quelle:
-
Bäume und Sträucher im Mittelmeerraum, Kosmos Verlag 1978
Stuttgart, Text: Helge Wedel
-
Prof.
Dr. Hermann Raaf, Logbuch 2002g Karawane-Verlag,
Ludwigsburg
-
Bilder Wikipedia Commons,
- Turkish
Textiles and Velvets, Kultur-Ministerium, 1950 Ankara, Tahsin
Öz
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